Hoffnungslos unnützes Dingsda

Es war einer von diesen Tagen, wo man bereits gut gelaunt aufwacht und weiß: es wird ein guter Tag. Ty’phoon streckte sich, gähnte laut und rollte aus seiner Hängematte.

“Mom?”, rief er durch das Haus und horchte. “Paps?”

Als keiner antwortete, zuckte er mit den Schultern und ging in die Küche. Das Feuer der Kochstelle war aus, der am Dreibein hängende Topf kalt. Er öffnete den Deckel in der Hoffnung auf Frühstück, doch Fehlanzeige: der Topf war leer, nur einige Brei-Reste hingen an den Wänden.

Ty’phoon untersuchte die herumstehenden Vorratsschalen mit demselben Ausgang. In einem Körbchen lagen einige Früchte. Er stopfte sich ein paar Pflaumen in den Mund, schnappte sich zwei Äpfel und verließ das Haus.

Gemütlich schlenderte der Tabaxi den Hang hinunter Richtung Dorfmitte. Das sonst geschäftige Treiben der Dorfbewohner war heute eher hektisch und auch sonst waren nicht viele Leute unterwegs. Die, die da waren, schienen in Eile zu sein .. oder gingen sie ihm bloß aus dem Weg? Irgendeine Spannung hing in der Luft.

Selbst die alten Fischer, die beim Brettspielen sonst immer für einen freundlichen Plausch zu haben waren, wirkten abwesend.

Ty’phoon bog in eine kleine Schreinerwerkstatt ein. In jeder Eckel standen Balken, Stäbe, unfertige Kisten und Hocker. Der Boden war bedeckt mit Sägespänen.

“Kh’zini, bist du da?”, fragte Ty’phoon und schaute sich um.

“Hey, hey.. ich bin hinten", antwortete eine gut gelaunte weibliche Stimme. “Grill gerade.. haste Hunger?".

In Hoffnung auf Mittagessen, ließ sich Ty’phoon nicht zwei Mal bitten und eilte durch den Arbeitsbereich hindurch zur Hintertür. Der Hinterhof war geräumig, hatte ein paar bequeme Holzsessel und Bänke und war sonst vollgestopft mit allen möglichen hölzernen Krimskrams. Schwer die Herkunft oder auch den ursprünglichen Zweck zu erraten. In der Mitte in der Bodenvertiefung brannte ein kleines Feuerchen. Drum herum brutzelten auf Stöcken aufgespießte Fische.

Kh’zini war einen Kopf kleiner, hatte eine weite, bunte Bluse, die gleichen überbreiten Caprihosen aus luftigen Leinen an und schmückte ihr Fell mit glitzernden Perlen. Sie hockte neben den Fischen, drehte sie von der einen zur anderen Seite und schaute suchend durch den Hinterhof, bis sie ein hoffnungslos unnützes Dingsda fand und es an die Flammen verfütterte.

“Hab dir nen Apfel mitgebracht.”, berichtete Ty’phoon, schmiss ihr den Apfel zu und warf sich in den Kissenberg der Bank. Er holte ein kleines Messer vom Beistelltisch und fing an, eine kleine Figur zu schnitzen.

Die junge Tabaxi summte eine Melodie vor sich hin. Sie inspizierte das Mittagessen, würzte etwas nach.. “Fertig!!”, sagte sie und hielt einen Stockfisch stolz in die Luft.

Die beiden Tabaxis verspeisen das Mittagessen ohne viele Worte miteinander zu wechseln. Kh'zini wirkte gut gelaunt, jedoch auch von etwas bedrückt. Sie sagte nichts und Ty’phoon traute sich auch nicht zu fragen.

“Soo..”, durchbrach Kh'zini das unangenehme Schweigen nach dem Mittagessen.

“Jou, jou ..”, antwortete Ty’phoon und nickte gedankenverloren.

“.. also .. das hast du jetzt nicht von mir..”, sie schaute voller Mitleid. “.. ich meine das ernst. Die Ältesten köpfen mich, wenn sie herausfinden, dass ich geplaudert habe.”

“Hmm, mkay”, nickte der überrumpelte Tabaxi.

“Hey ich meine das ernst .. versprich es!”, bestand Kh'zini darauf.

“Ohh Kh'zini, Schreinermeisterin in sechster Generation, meine älteste Freundin, die ich seit über fünfzehn Jahren kenne .. ich verspreche dir bei allem, was mir heilig ist zu schweigen, wenn die Ältesten mich (wie auch all die anderen Male) durch die Mangel nehmen und auch nicht zu niesen oder zu zwinkern…”, rezitierte Ty’phoon.

“Quatschkopp…”, rollte die Tabaxi lächelnd mit den Augen.

“Also..”, schaute sie sich vorsichtshalber nochmal um. “Der Hohepriester ist im Dorf.”

“Es ist doch viel zu früh, er sollte doch erst wieder in sieben Monaten das Dorf inspizieren.”, schaute Ty’phoon skeptisch.

“Eben! Und er ist nicht für das übliche Umberlee Ritual hier, sondern dei-ne-twe-gen!”, Kh'zini atmete, als ob sie einen Baumstamm getragen hatte, erleichtert aus.

“Ähhh?? Ich habe doch gar nichts gemacht .. Nur mal ein Wassertrick hier und eins dort .. mal beim Wellenrutschen die Welle verlängert, aber sonst nicht großes.", rechtfertigte sich Ty’phoon.

“Dude, beim Wellenrutschen bist du total woanders. Du achtest auf nichts anderes mehr. Habe doch selbst oft genug gesehen: "Du hältst eine Tabaxiform nicht immer sauber”, schimpfte seine Freundin.

“Pfff.. nun .. “, dachte Ty’phoon nach und schaute hilflos aus dem Pelz. “.. und was soll ich jetzt tun?”

“Ganz einfach: Alles leugnen!”, verkündete Kh'zini stolz ihren Geistesblitz.


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